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Es ist erstaunlich, dass nach den ersten und schon sehr frühen Weltumsegelungen, der Erdteil Australien erst so spät in der Entdeckungsgeschichte der Erde ein Begriff wurde. Ludvigo de Torres hat als erster Weißer das australische Festland betreten, als er 1606 die Meerenge zwischen Australien und Neuguinea durchsegelte. Als er an der Nordküste Australiens landete, war ihm das unbewohnt erscheinende Land wohl zu unwichtig, als dass er es in seinen Berichten erwähnt hätte. Die Torres-Straße erhielt diesen Namen erst viel später.
Der holländische Kapitän Carstenz, der nach ihm an den Küsten Australiens landete, schrieb: „Es ist das wüsteste und kahlste Land, das irgendwo auf der Erde gefunden werden kann. Die Bewohner sind die erbärmlichsten Geschöpfe, die ich je gesehen hatte.“ Die Holländer nannten die Neuentdeckung „Neuholland“ aber es erfolgte keine Besitzergreifung.
Dann kamen die Engländer; erst nach der genauen Beschreibung  von James Cook 1770, ließ England den östlichen Küstenrand besetzen und als Strafkolonie verwenden. Nach den riesigen Goldfunden um 1851, setzten die stärkeren Siedlungswellen ein. Dadurch wurde auch das Innere des Kontinents interessant - die Siedler brauchten neues Weideland. 1881 stieß Lachlan über die Blauen Berge ins Innere vor. Nach mehreren gescheiterten Versuchen anderer Erkunder, trat der deutsche Forscher Ludwig Leichardt von Brisbane aus den Vorstoß in das völlig unbekannte Innere mit dem Ziel an, die Nordküste Australiens zu erreichen.

Die Expedition war für fünf Monate berechnet, aber erst nach 15 Monaten erreichte er nach vielen Entbehrungen und Verlusten die Küste von Arnhemland.
Ludwig Leichardt trug Tag für Tag seine Erfahrungen und Begegnungen mit akribischer Genauigkeit in sein Tagebuch ein. Diese authentische Quelle hat Franz Baumann zu dem spannenden Buch „Die erste Durchquerung Australiens“ genutzt.

Kein bequemes Land
Mittlerweile kann man Australien mit dem Zug von Ost nach West von Sydney bis Perth mit  dem Indien-Pazifik und von Nord nach Süd von Darwin bis Adelaide mit dem Ghan durchqueren. Letzteres allerdings erst seit zwei Jahren. Auch der Stuart Highway läßt auf durchgängig geteerter Straße eine relative bequeme Autofahrt von Adelaide über Alice Springs nach Darwin zu.
Aber das Innere Australiens, das Outback, ist immer noch eine Herausforderung. Auch wenn man sich in einem allradgetriebenen Auto bewegt, stellen die Pisten und die extremen Witterungsbedingungen  hohe Anforderungen an Mensch und Technik.
Und dann diese riesigen Entfernungen - Australien ist das sechstgrößte Land der Erde und die größte Insel. Es ist die einzige Insel, die auch ein Kontinent ist, und der einzige Kontinent, der auch ein Land ist. Er ist der erste und letzte Kontinent, der vom Meer aus erobert wurde.
Es ist die Heimat des berühmtesten und eindrucksvollsten Monolithen, des Ayers Rock oder Uluru, der nun auch offizielle  Aborigine-Name. Es gibt dort mehr Lebewesen, die einen umbringen können als irgendwo sonst. Die zehn giftigsten Schlangen leben alle in Australien. Fünf seiner tierischen Bewohner - die Trichterspinne, die Würfelqualle, der Blauringkrake, der Steinfisch und eine bestimmte Zeckenart - sind tödlich für den Menschen. In diesem Land können selbst die flauschigsten Raupen Sie mit einem Kniepen ausser Gefecht setzen, und Muscheln pieksen hier nicht nur, sondern attackieren Sie manchmal sogar. Wenn Sie aber nicht plötzlich und unerwartet zu Tode gestochen oder gespießt werden, werden Sie vielleicht von Haien oder Krokodilen gefressen, von tückischen Meeresströmungen hilflos zappelnd in den Ozean hinausgetragen, oder Sie taumeln mutterseelenallein im brütend heißen Outback in einen kläglichen Tod. Ein hartes Land.
Und alt. Seit sechzig Millionen Jahren, seit Bildung der Great Dividing Range hat sich Australien geologisch praktisch nicht verändert und dadurch viele der ältesten Dinge bewahrt, die man auf Erden fand, die urältesten Felsen und Fossilien, die frühesten Tierspuren und Flussbetten, ja, die ersten schwachen Zeichen des Lebens selbst. Und zu einem unbestimmten Zeitpunkt in Australiens unendlich langer Vergangenheit - vielleicht vor fünfzigtausend, vielleicht vor sechzigtausend, aber ganz sicher, bevor es moderne menschliche Wesen in Europa oder Amerika gab - drang heimlich, still und leise ein zutiefst rätselhaftes Volk ein, die Aborigines. Sie weisen keine eindeutige rassische oder sprachliche Verwandtschaft mit den Völkern im umliegenden asiatischen Raum auf, und eigentlich ist ihre Anwesenheit auf dem Kontinent nur dann plausibel, wenn man annimmt, dass sie mindestens dreissigtausend Jahre vor allen anderen Menschen hochseetüchtige Schiffe ersannen, bauten, sich auf einen Exodus begaben und dann fast alles, was sie  gelernt hatten, vergaßen oder sich nicht mehr dafür interessierten, ja sich überhaupt kaum noch mit dem offenen Meer einliessen.
Diese Leistung ist so einzigartig und aussergewöhnlich, so schwer zu erklären, dass die meisten Geschichtsbücher sie mit ein, zwei Absätzen abtun und dann gleich zur zweiten, besser dokumentierten Invasion übergehen, die 1770 mit der Ankunft Captain James Cooks und seiner tapferen kleinen Jolle, der HMS Endeavour, in der Botany Bay begann. Macht nichts, dass Captain Cook Australien nicht entdeckt hat und zur Zeit seines Besuchs nicht mal Kapitän war. Die meisten Leute, auch die meisten Australier, glauben, dass mit ihm alles anfängt.
Die Welt, die diese ersten Engländer vorfanden, war berühmt dafür, dass alles verkehrt herum war - statt Winter war in Australien Sommer, die Sternbilder  standen Kopf. Die Lebewesen schienen sich entwickelt zu haben, als hätten sie die Gebrauchsanweisung nicht gelesen. Das typischste von ihnen  rannte, hoppelte oder galoppierte nicht, sondern sprang durch die Landschaft wie ein Gummiball.
Kurz und gut, ein solches Land gab es auf der Welt nicht noch einmal, gibt es immer noch nicht. Achtzig Prozent aller Tiere und Pflanzen in Australien existieren nur dort. Sie existieren in einer Vielzahl, die zu den harschen Lebensbedingungen garnicht zu passen scheint. Australien ist der trockenste, flachste, heisseste, ausgedörrteste, unfruchtbarste, klimatisch aggressivste aller bewohnten Kontinente. Nur die Antarktis ist lebensfeindlicher. Und dennoch wimmelt es von Leben in unzähligen Formen.
Was uns das sagen soll? Dieses Land ist gleichzeitig atemberaubend leer und voll gepackt mit Zeugs. Interessantem Zeugs, uraltem Zeugs, Zeugs, das man auf Anhieb nicht versteht. Zeugs, das man sogar noch finden muss. Kurz - es ist ein interessantes Land. (Frühstück mit Kängurus, Bill Bryson)
Beginn der Reise
16.30 Uhr - Rush Hour in Adelaide. Ich fahre den gerade erst übernommenen 2,5t Toyota Landcruiser rechtsgesteuert durch den einsetzenden Regen. Von extremer Trockenheit in Südaustralien hatte man uns erzählt. Jetzt ist es fast wie zu Hause - bis auf den Linksverkehr. Zigtausende eilen aus der Millionenstadt in die umliegenden Vororte.
Als uns Rolf gegen 11 Uhr vom Quest Mansions, unserem Hotel abgeholt hatte, strahlte die Sonne noch heiss vom Himmel. Rolf ist Schweizer und Mechaniker. Er hat seinen RMS - Rolfs Mechanical Service - in Glenelg, einem Vorort an der Küste und vermietet mit seiner Frau Sibylle Bushcamper. Rolf ist einer von den Typen, die man schon Jahre zu kennen glaubt.
Der Toyota, ein Bushcamper mit Dachzelt, ist ein älteres Modell mit über 390.000 km auf dem Buckel - aber gut in Schuss.
Rolf erklärt uns jedes Detail mit schweizer Präzision. Jede Menge Werkzeug ist mit an Bord; sogar eine Seilwinde ist am Bug befestigt. Ein Kompressor ist dabei, um die Reifen wieder aufzupumpen, wenn man in der Wüste wegen losem Sand den Reifendruck reduzieren muss.
Im Verlustfall sorgt ein Ortungssender dafür, dass wir satellitentechnisch wieder aufgespürt werden. Als ganz wichtig hat sich  auch der Spaten erwiesen, der nicht nur die eigenen Hinterlassenschaften gnädig bedecken lässt, sondern sich im Extremfall auch als Bagger... aber davon später. Zwei Reservereifen, ein Hammer und hydraulischer Wagenheber runden das Equipment ab.
Aber der Clou ist das Dachzelt. Wir haben schon etliche Bushcamper gemietet - mit Pop-up-Dach, High-Top oder einfach nur einen Range-Rover mit Campingzeug - und jetzt ein Dachzelt. Über eine Leiter hangelt man sich auf die Dachreling, entfernt eine Schutzplane und richtet mit einer Hand das Zelt auf - nach einem Prinzip, mit dem man früher das Kopfteil von Kinderwagen geöffnet hat. Matratzenunterlage ist bereits drin. Jetzt noch die Schlafsäcke rein, fertig!
Und es regnet! Mittlerweile haben wir Prospect, einen  nördlichen Randbezirk von Adelaide erreicht, der Verkehr lässt immer noch nicht  nach.  Wir halten an einem Liquor-Store und decken uns mit einigen Kartons Victoria-Bitter Bier ein. Das Ziel für die  erste Nacht ist ein Campground in der kleinen Stadt Nuriootpa im Barossa Valley, Südaustraliens berühmte Weinregion. Der Regen wird stärker. Aber der Verkehr nimmt ab.
Nuriootpa ist ein kleines Kaff mit einem schönen Campground. Es ist nass und ich habe keinen Bock das Dachzelt auszuprobieren, es gibt so schöne trockene Cabins. Ich bin froh, dass ich mein Icebreaker T-Shirt dabeihabe. Dieser ewige Temperaturwechsel von warm und kalt wird von diesem Teil super ausgeglichen. Wir sortieren unsere Einkäufe und planen unsere Weiterreise.
Das nächste Ziel soll Broken Hill sein, 510km Richtung Nordost, in New South Wales über den Barrier Highway. Dann  weiter nach Tibooburra nördlich in den Sturt Nationalpark. Von dort über Cameron Corner nach Innamincka am Cooper Creek und nach Birdsville in Queensland. Hier wollen wir in die Simpson Wüste einsteigen - über die French Line oder Rig Road? Welche Strecke wird befahrbar sein? Aber wieso sich jetzt einen Kopf machen, wir werden es sicher in Birdsville erfahren. Letztes Ziel und Autorückgabe ist dann nach etwa  3.500 km Alice Springs, Northern Territory im geographischen Zentrum Australiens.

Es wurden letztlich über 1.000km mehr. Dafür sind wir den Oodnadatta Track entlang der alten Ghan-Bahnlinie gefahren. Auf den Spuren der Pioniere und Prospektoren.
Schon 1870 gab es erste Visionen einer transkontinentalen Bahnlinie, die Adelaide mit Darwin verbinden sollte. Bevor die ersten Waggons durch das Outback rollten, wurden die Güter von Kamelkarawanen befördert - sogenannten Camel Trains. Pferde und Ochsen waren für das wilde und trockene Terrain denkbar ungeeignet. Angetrieben wurden die Kamele von Afghanen, Persern und Türken. Von den afghanischen Kameltreibern erhielt der Ghan schliesslich seinen Namen.
Um 1900 war die Strecke  im Süden bis nach Oodnadatta  ausgebaut worden. Bodenschätze waren der Anlass für den Bau der Bahn. Gold, Opal und Kupfer konnten auf dem Schienenweg viel leichter abtranspotiert werden. Abenteurer und Minenarbeiter kamen mit der Bahn leichter ins Binnenland, genau so wie Lebensmittel und Material zum Aufbau einer Infrastruktur im unwirtlichen Outback.

Wir haben gut geschlafen in unserer Cabin. Das Kreischen von Kakadu- und anderen Vogelschwärmen weckt uns. Es ist etwas frisch draussen aber die Sonne findet ihren Weg durch die lockere Bewölkung. Auch wir finden unseren Weg hinaus aus Baraossa Valley und der Zivilisation. Vor uns liegt der Barrier Highway, der uns schnurgerade nach Broken Hill führt.
Für die meisten Australier ist die Bergbaustadt Broken Hill das Synonym für „Langeweile im Busch“ schlichtweg. Broken Hill ist aber eben auch in vielen anderen Punkten „quite different“. Die Uhren ticken anders. Auf jeden Fall hat New South Wales eine eigene Zeitzone. Die Uhren werden hier eine halbe Stunde vorgestellt. Broken Hill ist auch eine Stadt der Künstler. Rund 90 leben in der Stadt.
Als wir Broken Hill erreichen, haben wir eine ermüdende Regenfahrt hinter uns. Und der Regen verstärkt sich. Der erste Campground am Stadtrand liegt neben dem Friedhof. Nee - wir fahren 20km nordwestlich auf einer Nebenstrecke weiter nach Silverton - Die Scheibenwischer laufen auf Hochtouren.
Die ehemalige Bergbaustadt Silverton ist einer der beliebtesten Plätze für Filmschaffende in Australien. Sie besteht nur noch aus einer Handvoll Häusern und einer Kneipe. In den wenigen Gebäuden haben sich heute ein gutes Dutzend Kunstmaler angesiedelt. Zum idealen Platz wird das Beinah-Geisterstädtchen durch seine idealen klimatischen Bedingungen. Eine fast 100%ige Sonnenscheingarantie lockt die Produzenten von Kino- und Werbefilmen aus aller Welt an. Das Licht gilt als ideal. Viele Kameracrews filmen einfach drauf los. Filter und aufwändige Effekte sind auch nicht unbedingt nötig. Stahlblauer Himmel und die rote Erde bieten genug Kontraste. Hauptdarsteller ist meist das „Silverton Hotel“. Es bietet sechs Zimmer. In den Filmen firmiert es allerdings dann als „Dingo Hotel“ oder „Hotel Australia“ (wie in „Dirty Deeds“).

TEIL 2

Wir sind von Frankfurt am Main mit der Fluggesellschaft „Emirates“ über Dubai und Perth nach Adelaide, Südaustralien eingereist. Nach einer Aklimatisierung von 3 Tagen haben wir den avisierten Toyota Landcruiser von RMS, Rolf`s Mechanical Service in Glenelg, einem Vorort von Adelaide, übernommen. Rolf, der Schweizer Mechaniker, hat den Toyota als Bushcamper umgebaut und mit allem versehen, was man im Outback so braucht, um zu überleben. Unsere Tour soll uns drei Wochen ca. 4.000km durch die australische Wildnis auf den Spuren der ersten Siedler bis nach nach Alice Springs im „Roten Herzen“ führen. Wir - das sind meine Frau Karin und ich.
Im ersten Teil habe ich die widrigen Witterungsverhältnisse geschildert. Für die Jahreszeit (im November kann es in der südlichen Region sehr heiss sein) war es sehr kühl und es regnete zum Teil sehr kräftig. Das sollte sich auch so bald nicht ändern, und ich war wirklich froh meine Icebreaker Merino Teile dabeizu haben. Das machte die kalten Nächte im Dachzelt dann doch erträglicher.
Silverton – dieses ehemalige Bergarbeiterstädtchen, 20km nordwestlich von Broken Hill, versinkt im Schlamm – genauer gesagt, der Campground und der Pub, denn viel mehr gibt es hier nicht. Dieses ist also eines der beliebtesten Plätze für Filmschaffende in Australien. Wegen angeblich fast 100%iger Sonnenscheingarantie reisen die Produzenten von Kino und Werbefilmen aus aller Welt an, um das ideale Licht ohne aufwändige Effekte und Filter zu nutzen.

Im Silverton Hotel wurde der Film "MAD MAX" gedreht – das berühmte "Raketenauto" steht noch davor!




Also wir merken nichts von einem stahlblauen Himmel - es ist trist verhangen und es schüttet aus Kübeln. Wir entschließen uns, noch mal eine Cabin zu nehmen – das Dachzelt bleibt unangetastet. Der Pub ist traumhaft, langer Tresen, kühles Bier vom Faß und eine Einrichtung, wie man sie aus alten Westernfilmen kennt. Ja, hier werden wir uns ein Zimmer nehmen und den Abend verbringen!
Als ich der netten Bedienung hinter dem Tresen freudestrahlend meine soeben getroffene Entscheidung mitteile, schüttelt sie nur bedauernd den Kopf: „Sorry Sir, we are fully booked“. Es gibt Situationen im Leben, die man nicht näher beschreiben möchte.
Draußen geht die Welt unter - drinnen zerplatzen Träume und eine zunehmend genervte Gattin...
Immerhin bekomme ich den freundlichen Rat, im Campground (der gerade im Schlamm versinkt), gäbe es noch freie Cabins – wir sollen nach Cabin Nr. 3 fragen. Ich genehmige mir noch Bier und bewege mich schweren Herzens nach draussen.
Der Campground-Besitzer ist sehr freundlich, meint, der Regen sei morgen durch und drückt mir ein Bündel nach Mottenkugeln stinkender Bettwäsche in die Arme. Die Cabin (s.Foto links) entpuppt sich als Einfamilienhaus mit riesiger Küche und zwei Schlafzimmern mit Etagenbetten - hier könnten bequem 20 Leute übernachten. Karin ist nahe an einem Nervenzusammenbruch – die Mottenkugelwäsche bleibt draussen und wir weihen unsere Schlafsäcke ein.
Die Küche ist super equipt - sogar eine große Steakpfanne ist da – und ein Gasherd. Ich würde zwar lieber auf der großen Feuerstelle im Hof brutzeln, aber die könnte man jetzt als Swimmingpool nutzen. Wir hauen uns die Steaks in die Pfanne und machen uns eine Flasche Rotwein auf – aus dem „Barossa Valley“, Adelaides Weinregion.
Schon sieht die Welt wieder anders aus. Am nächsten Tag hat es aufgeklart und wir können erahnen, wie schön Silverton in Wirklichkeit ist. Ein wunderschöner Sonnenaufgang mit den typischen Farben, die sich in den Wolken reflektieren. „I can see clearly now, the rain is gone...“
Wir drehen eine Runde durch die Umgebung – jetzt sehen wir endlich etwas von der Landschaft und wissen wieder, warum wir hier sind.
Wir wollen heute noch ca. 300km weiter Richtung Norden, richtig ins tiefste Outback  in den Sturt National Park nach „Tibuburra“. Dafür brauchen wir noch reichlich Proviant. Also noch mal in die alte Coal Mining Stadt „Broken Hill“. Hier gibt es reichlich Supermärkte und Liquer Stores, um Bier nachzuladen, denn je weiter man ins Outback kommt, desto teurer werden Vorräte und Getränke. Wir bekommen alles, was wir brauchen. In einem Outdoorladen, der wirklich alles führt, was in der Wildnis von Nutzen ist, kaufen wir uns noch ein paar Fliegennetze, denn wir kennen die wahre Pest des Outbacks.
Richtung Norden
Die Outback-Fliegen, krauchen einem in jede Öffnung, die unbedeckt ist. In die Augen, Mundwinkel, Ohren – überall hin – und sie lassen sich auch nicht so leicht verscheuchen. Ein alter Bush-Mann sagte `mal:
„Wer ins Outback geht, sollte seinen Frieden mit den Bushfliegen gemacht haben.“ Da ist was dran!
Kaum sind wir 40km nördlich von Broken Hill, auf noch geteerter Straße, fängt es wieder an zu regnen. Im Nordwesten, Richtung „White Cliffs“, tiefschwarzer Himmel. Neben uns wachsen plötzlich ganze Seen aus der Spinifex-Landschaft.
Auf einmal deutet Karin aufgeregt nach vorn. Durch den grauen Regenschleier erkenne ich vor mir eine Reflektion auf der Straße. Da, wo sonst ein ausgetrockneter Creek die Straße quert, brodelt jetzt ein reissender Fluss.
Ich ziehe mir Schuhe und Socken aus und wate Richtung Flussmitte. Schon nach ein paar Metern geht mir das Wasser bis zu den Oberschenkeln. Mit nasser Hose setze ich mich wieder in den Wagen. Ein Blick zum Himmel zeigt uns, dass es von Osten her heller wird. Also warten wir ca. eine Stunde und sehen, wie das Wasser sich langsam zurückzieht.
Als wir uns endlich durchwagen, geht das Wasser immer noch bis zur Kühlerhaube – aber der 4WD-Toyota mahlt sich souverän brummend durch die Fluten.
Die Straße ist nun größtenteils ungeteert – jetzt wird`s schlammig und die Durchquerung von Überschwemmungen wird langsam Routine.
Immerhin hat der Regen jetzt aufgehört und die Landschaft zeigt sich wieder von ihrer prächtigsten Seite. In der schönsten Nachmittagssonne gegen 16.00 Uhr, erreichen wir Packsaddle, ein prächtiges Roadhouse. Die Sonne wirft ein schönes Licht auf den Pub.
Es ist mal wieder die Zeit der Entscheidungen. Wir haben viel Zeit durch die Überschwemmungen verloren – so schön sich das Roadhouse auch präsentiert, es ist noch zu früh, um schon zu übernachten. Wir haben ja noch das Ziel Tibuburra. Ich geh` auf ein Bier in den Pub und bekomme  einen Cooler mit Packsaddle Aufdruck geschenkt (das sind diese Becher, die das Bier kühl halten sollen).

Frühstück auf dem Campground "Dead Horse Gully"

Tibuburra

Wir entscheiden uns für die schlammige Straße Richtung Tibuburra. Vorher gibt es noch eine Ansiedlung mit Pub und Campground – Milparinka. Es ist dunkel als wir dort ankommen. Ein einsames, aber helles Licht wies uns schon von weitem den Weg.
Hoffnungsfroh biegen wir von der Hauptstrecke auf einen holprigen Zufahrtsweg ab. Doch welche Enttäuschung – der Pub, Mittelpunkt der Ansiedlung, ist in tiefe Dunkelheit gehüllt. Kein Lebewesen weit und breit. Die Szenerie wird von einer einsamen Straßenlaterne beleuchtet - das helle Licht, das wir von weitem sahen.
Allerdings ist noch ein Licht im Wohnhaus hinter dem Pub zu sehen, es müssen also Leute anwesend sein. Doch auf mein Rufen macht keiner auf  – very strange! Nächtens „in the middle of nowhere“ und niemand zeigt sich.
Leichte Bewegungen hinter den Fenstern zeigt uns, dass wir bemerkt worden sind, aber es tut sich nichts. Jetzt wird`s uns doch unheimlich und wir beschliessen, uns die restlichen 40km bis Tibuburra durch die Dunkelheit zu wagen.
Um 21.00 Uhr erreichen wir das Outback-Kaff. Wir haben irgendwie das Gefühl, wieder in der Zivilisation zu sein. Es ist eine sternenklare Nacht, die Luft ist seidenweich. Vor einem Pub am Ortseingang schneidet eine junge Frau einer anderen die Haare. So komisch die Szene ist, sie wirkt beruhigend.
Ehe ich mich versehe, sind wir schon am Ortsausgang. Hier ist ein weiterer Pub, in dem wir uns ein Bier bestellen. Pubs sind im Outback so etwas wie Radio, Fernsehen und Zeitung zugleich – hier laufen alle Informationen zusammen, werden ausgetauscht und weitergegeben. Eine Straße unpassierbar? Ein Sandsturm oder anderes Unwetter in Sicht? – Im Pub erfährt man es. Für den Durchreisenden kann das mitunter lebenswichtig sein.
Wenn in einem Outback-Pub über den nächsten Nachbar gesprochen wird, bei dem auf seiner Station (australische Bezeichnung für Farm) gerade eine Kuh gekalbt hat, kann es sein, dass dieser Nachbar gut 500 bis 600km weiter weg wohnt. Und die Station kann schon mal Ausmasse von etwa Belgien haben, wie z.B. die „El Questro Station“ in den Kimberlys. Aber ich schweife ab,  wir sind ja fast noch in der Zivilisation.
Die junge Frau in der Bar empfiehlt uns auf Nachfrage, einen Campground in der Nähe mit dem schönen Namen „Dead Horse Gully“.
Kurz darauf gesellen sich noch mehr junge Frauen zu uns. Alle sind sehr aufgekratzt und es wird viel Bier getrunken. Später stellt sich heraus, dass die Friseuse, die wir am Ortseingang gesehen haben und die nun auch in dieser illustren Runde sitzt, am Tag vorher geheiratet hat. Sämtliche jungen Frauen des Ortes feiern dieses Ereignis (unter Ausschluss der Ehemänner) immer noch mit ihr.
Als einziger Mann unter all diesen angeheiterten Mädels dränge ich dann doch zum Aufbruch, nicht ohne, noch zum Frühstück und Picknick auf einer Pferdefarm eingeladen worden zu sein. Na, ob das was wird?
Am nächsten Abend erfahren wir, dass Rebecca, so hieß die junge Frau, die uns auf ihre Farm eingeladen hatte, beim Tanzen auf dem Tresen, von demselbigen gestürzt ist und sich den Arm gebrochen hat.
Wir müssen noch unser Nachtlager im Bushcamp aufschlagen, finden „Dead Horse Gully“ nicht auf Anhieb, sind dann aber doch angenehm überrascht von dem schön gelegenen Platz. Ich habe meine Premiere mit dem Dachzelt und hätte nicht gedacht, wie kinderleicht sich das Ding aufstellen lässt – Schlafsäcke rein und fertig!
Wir genießen noch den Blick auf den Sternenhimmel mit dem Kreuz des Südens. Die Kakadus suchen sich mit lautem Gekreische ihre Schlafplätze auf den umliegenden Bäumen. Dann ist es nur noch still und friedlich.
Am nächsten Morgen erwache ich mit einem atemberaubenden Sonnenaufgang. Der Platz ist bei Licht betrachtet noch schöner als gedacht – hier bleiben wir erstmal ein paar Tage.
Lesen sie in der nächsten Ausgabe wie wir durch den Sturt National Park nach Innamincka kommen und Karin eine schreckhafte Begegnung mit einem TAIPAN  hatte, der gefährlichsten Giftschlange der Welt.

AUSTRALIEN
auf dreckigen Straßen Teil III

Beeindruckende Naturlandschaften erwarten den, der das Outback Australiens entdecken möchte. Über extreme klimatische Bedingungen in denen sich monatelange Trockenheit mit sintflutartigen Regenfällen ablösen, habe ich bereits berichtet. Wir befinden uns gerade im Sturt National Park auf dem   Dead Horse Gully Camp Ground in Tibooburra.
Der Sturt National Park liegt im äußersten Nordwesten, mehr als 300 Kilometer nördlich von Broken Hill und ist somit der abgelegenste Park in ganz New South Wales. Direkt anschließend ist Cameron Corner, das Dreiländereck von Queensland, South Australia und New South Wales. Der Sturt National Park ist also kein abgeschlossenes Areal, sondern ein kleiner Teil des unermesslich weiten und unzugänglichen wahren australischen Outback.

Die Umgebung von Tiboobarra ist geprägt von bizarren Granitsteinanhäufungen – kein Wunder – Tiboobarra ist Aboriginisprache und heißt auf Deutsch „aufgehäufte Steine“
Ich nutze den üppigen Vorrat an Steinen, um eine Feuerstelle zu bauen. Es steht zwar ein nicht zu übersehendes Schild am Campgroundeingang mit dem Hinweis, dass offenes Feuer bei Strafe verboten ist. Aber was ist schon ein Lager ohne Lagerfeuer? Die Eier mit Speck zum Frühstück über Holzfeuer, statt auf dem Gaskocher gebruzzelt, schmecken jedenfalls doppelt so gut.
Als die ganze Umgebung gerade so richtig schön nach  Holzfeuer und Eier mit speck duftet, kommt der Ranger angefahren, um die Platzmiete zu kassieren.


Ich richte mich schon auf eine saftige Strafe ein, aber der Ranger übersieht, bzw. überriecht unseren Frevel. Na ja, wir sind auch die einzigen Gäste auf diesem Bushcampground und werden hier auch noch ein paar Tage bleiben. Wir erkunden die Umgebung ausgiebig über Wanderwege. Mittlerweile ist es heiß geworden und die Sonne knallt erbarmungslos – ohne Sonnenschutz ist man der Strahlung hilflos ausgeliefert. Nicht umsonst hat Australien die weltweit höchste Hautkrebsrate. Wir werden bei unserer diesjährigen Australienreise im November die Omni Shade Kollektion (s. S. 11), die Columbia  Sportswear als Schutz vor aggressiver Sonnenstrahlung entwickelt hat, ausprobieren.
Wir wollen weiter nach Innamincka am Cooper Creek. Dazu müssen wir den Sturt National Park durchqueren und über Fort Grey und Cameron Corner nach South Australia.

Cameron corner
Cameron Corner ist jene Ecke im leeren Outback, wo die drei australsichen Bundesstaaten South Australia, Queensland und New South Wales aneinanderstoßen. Es wurde benannt nach John Brewer Cameron, einem Landvermesser des New South Wales Lands Department, der in der Region gearbeitet hat.
Das kleine Roadhouse bietet sich natürlich geradezu zur Mittagsrast an. Die Burger und Steak Sandwitches sind legendär. Es gibt auch eine Tankstelle, einen kleinen Campingplatz, Cabins und auch Unterkünfte mit Air Condition. An der Tankstelle des Corner Store kann man manchmal zusammen mit einer Cessna tanken – das Flugfeld liegt direkt gegenüber auf der anderen Straßenseite und für die Farmer der Umgebung ist es normal, die riesigen Entfernungen bis zum nächsten Einkauf oder Fest mit dem Flugzeug zu überbrücken.
Warum der Store gerade hier mitten im Nirgendwo errichtet wurde? Weil sich nur knappe 100m entfernt der Cameron Corner Grenzstein befindet: hier ist einer von nur zwei Punkten des Kontinents, an dem drei Staatsgrenzen aufeinander treffen. Der andere Punkt liegt bei Border Cliffs zwischen South Australia, New South Wales und Victoria. Der Treffpunkt der Grenzen liegt aber mitten im Murray River und fällt somit als Treffpunkt aus.
Zwei weitere solcher Grenzecken gibt es noch, Northern Territory und das berühmte Poeppel Corner zwischen South Australia, Queensland und dem Northern Territory an der French Line im Simpson Desert ca. 150km  westlich von Birdsville. Die letzte Dreierecke ist zwischen South Australia, Westerm Australia und dem Northern Territory nahe des berüchtigten Gunbarrel Highway – das Surveyor Generals Corner mitten in der Victoria Desert. Auffällig: Alle Dreierecken grenzen an South Australia.
Und noch eine Besonderheit kommt dazu: Einmal im Jahr ist am Cameron Corner für Outbackverhältnisse die Hölle los: Silvester an diesem Ort ist inzwischen Kult geworden, weil man hier den Jahreswechsel gleich dreimal feiern kann und zwar im Stundentakt. Denn die drei Anrainerstaaten liegen während der Sommerzeit in drei verschiedenen Zeitzonen mit jeweils einer Stunde Differenz.

DOG FENCE
Durch CAMERON CORNER geht  auch das längste von Menschenhand gebaute Werk – nein nicht die chinesische Mauer – sondern der Dog Fence.
Von den ursprünglich errichteten ca. 8.500 km stehen heute aber nur noch 5.131 km. Der Zaun ist bis zu 2,5 m hoch und 30 cm tief im Erdreich verankert, er verläuft von Dalby ca. 200 km westlich von Brisbane in Queensland meist entlang der Grenze und danach auf einem sehr verworrenen Kurs kreuz und quer durch South Australia bis runter zur Great Australien Bight, 80km  westlich von Ceduna. Somit trennt er den roten Kontinent in eine Nordwest- und eine Südost-Hälfte, 2.202 km in South Australia, 584 km in New South Wales und 2.345 km in Queensland.

INNAMINCKA
 „Innamincka is lovely“ sagten uns Australier, als wie vor 8 Jahren durch das Outback reisten. Und wirklich – nach einem Tag auf der teils staubigen, teils schlammigen Piste des Strzelecki Tracks – kamen wir in das grüne Paradies des Cooper Creek, einem Fluss, der ganzjährig Wassser führt, in dem man baden kann und auf dem sich die Pelikane tummeln – wirklich lovely!
Und erst der Pub! Total abgefahrene Typen und ein Wildschwein hinter der Theke. Aus der Küche kam das beste Steak weit und breit. Die Cowboys aus der 200km entfernten Station (Rinderfarm) kamen den weiten Weg nur wegen der Steaks nach Innamincka gepilgert.
Jetzt sind wir enttäuscht. Der Cooper Creek führt kaum Wasser und der Pub wird von einem Lackaffen mit hochgestelltem Polohemdkragen geführt. Das Steak kostet 35 Dollar.
Wir suchen uns ein Bushcampground  am Cooper Creek, das Minky Waterhole. Ich mache ein Feuer und lege die Lamb Chops parat. Der Himmel zieht sich plötzlich zu und es wird fast stockduster.
Bevor ich das Abendessen in den Camper retten kann, bricht ein Sandsturm los. Man sieht die Hand nicht mehr vor den Augen und zwischen den Zähnen knirscht es, obwohl der Mund fest geschlossen ist. Am nächsten Tag strahlt der Himmel wieder, als könne er kein Wässerchen trüben.
Wir entstauben uns und planen in das Herz dieser Oase mitten in der Wüste zu fahren. Etwa 5 Autostunden nordwestlich von Innamincka soll es ein wahres Paradies geben – die Coongie Lakes.

Coongie lake
Die Region ist ein einzigartiges System aus Seen und Flüssen, die das Wasser aus den nördlichen Regionen während der Regenzeit heranführen. Dieses naturgeschaffene Wassersystem, mitten im staubigen, lebensfeindlichen Outback, bietet einer vielzahl von Tieren, hauptsächlich Vögeln, eine Lebensgrundlage.
Der beschwerliche Weg dorthin hat sich gelohnt. Wir sind mutteseelenallein in einer traumhaften Umgebung. Unser Lager stellen wir direkt an einem Flußufer  ab. Leider ist das Ufer sehr schlammig, so dass Baden nicht möglich ist.
Die Landschaft erkunden wir zu Fuß und sind hin und weg, was es für eine Vielzahl von Vogelarten gibt! Stolz und ein bißchen scheu paddelt ein Schwarm Pelikane vorbei. In den Bäumen am anderen Ufer kreischen Hunderte von Kakadus und über uns kreist ein Adler. Die Luft ist erfüllt von den unterschiedlichsten Vogelstimmen. Abends schwärmen Massen von Kakadus in die Baumwipfel, um sich einen Schlafplatz zu organisieren  dabei machen sie solch einen Lärm, dass sonst nichts mehr zu hören ist. Dann ist völlige Ruhe, nur ab und zu bellt ein Dingo in der Ferne. Am nächsten Morgen sehe ich an den Spuren im Sand, dass sich der Dingo ziemlich nahe an uns herangeschlichen hat. Karin geht nach dem Frühstück an ein Uferstück, setzt sich auf einen Camingstuhl und beobachtet mit dem Feldstecher das Vogelleben in den Baumkronen.
Nach einer halben Stunde kommt sie plötzlich leichenblass zum Bushcamper. Sie hatte soeben eine Begegnung mit der giftigsten Schlange der Welt, dem Taipan. Gottseidank ist dieses Tier nicht unbedingt aggressiv. Aber eine unbedachte Bewegung hätte vielleicht gereicht – und dann weit und breit keine Menschenseele. Die Fahrt zurück nach Innamincka  hätte wie gesagt, 5 Stunden gedauert. Erlebnisse dieser Art, zeigen einem immer wieder, das wir Gast sind, in einer weitgehend unberührten Natur und uns entsprechend zu verhalten haben.


Teil IV
Von AdeIaide über Broken Hill, Silverton, Packsaddle, Milparinka, Tibuburra durch den Sturt National Park, Camaron Corner über den Dog Fence (dem längsten Zaun der Welt) nach Inna- mincka haben wir uns durchgekämpft, um die entlegensten Ecken des Kontinents zu ent- decken. Nachzulesen in den letzten Ausgaben von FIT ON TOUR oder auf www.fit-on-tour-online.de.
Bei soviel Einsamkeit freut man sich natürlich auf etwas Konversation. Und die gibt es in den Outback Pubs. Mitten in der staubigen Ödnis tobt hier das Leben – zumindest an den Wochen- enden, wenn die Stockman Hunderte von Kilometern fahren, um ihren Durst zu löschen. Aber diese Pubs sind viel mehr als bloß Kneipen.

Sind die Straßen von A nach B frei? Gibt es ein Buschfeuer auf dem Weg zum nächsten Ziel?
Wann wird ein momentan geschlossener Track wieder geöffnet? Alles wichtige Fragen, wenn
man in solch einem weiten Land unterwegs ist – unter Umständen sogar lebenswichtig. Das läßt sich bei einem kühlen Bier und 38 Grad Außentemperatur gut besprechen.
Natürlich kann man hier auch sein „4Wheel Drive“ wieder volltanken und Lebensmittel nachcatern.
Im Outback sind die Pubs der gesellschaftliche Mittelpunkt der Farmer und Viehzüchter,
Stockmen und Trucker aus der weiten Umgebung, Kontakt- und Informationsbörse in einem.
Australien – das Land des Durstes – besteht zu vier Fünfteln aus Savanne und Wüste, da ist
Flüssiges sehr wichtig für den, der stundenlang durch Sand und Staub brettert. Wenn dann plötzlich, mitten in der Wildnis, ein in der Hitze flirrendes Wellblechdach auftaucht, vor dem eine
Armada von Geländewagen steht, kann es nur eine Buschkneipe sein, in der das größte Möbelstück immer ein randvoll mit Bier gefüllter Kühlschrank ist.
Früher durften per Gesetz alkoholische Getränke nur von Wirten ausgeschenkt werden, die auch Fremdenzimmer anboten. Daher tragen die meisten Pubs noch die Bezeichnung „Hotel“.

Eines der bekanntesten aber auch abgelegendsten Outback-Pubs, ist das „Birdsville Hotel“.
Auf unserer Fahrt von Innamincka über den einsamen Birdsville Track nach Birdsville, sind wir einen Tag lang keiner Menschenseele begegnet. Meilen vor dem Ort – plötzlich ein Sandsturm.
Gleich neben der Piste erstreckt sich nämlich der „Great Simpson Desert“, eine riesige Wüste, die wir durchqueren wollen. Durch den Sandsturm können wir nur schemenhaft erkennen, dass wir plötzlich in eine Ortschaft einfahren. Das erste, was ich einigermassen klar erkennen kann, ist das Schild „Birdsville Hotel“. Wir klopfen uns den Staub aus den Kleidern und betreten den altehrwürdigen Pub – überall Fotos mit Ereignissen, die diesen Ort berühmt gemacht haben.

Am ersten Wochenende im September finden hier die Birdsville Races statt. Dann strömt das
Bier hektoliterweise durch die Kehlen von zig-Tausenden Besuchern.
Wenn man bedenkt, dass Birdsville nur knapp Hundert Einwohner hat, kann man sich vorstellen,
was da los ist. Die meisten Festteilnehmer kommen nicht etwa über den staubigen Birdsville-track, sondern schweben mit dem Flugzeug ein. Ja, Birdsville besitzt auch einen Flughafen, genauer gesagt Airstrip, den auch jede Station (Farm) besitzt, sonst kämen die Leute bei widrigen Witterungsverhältnissen ja nicht vom Hof. Es kommt nicht oft vor, aber wenn es im Outback mal richtig regnet, sind die Straßen bzw. Pisten über Wochen nichtmehr passierbar.

Normalerweise trinken wir Victoria Bitter, unser favorisiertes Dosenbier im „can holder“, ein
Styroporbecher in dem das eiskalte Bier auch wirklich kalt bleibt.
Im „Birdsville“ wird aber auch vom Fass gezapft. Dabei muß man aber genau überlegen, wie groß der Durst ist, da die Maßeinheiten
in den einzelnen Bundesstaaten unterschiedlich sind. Bestellt man in Northern Territory ein „middie“, bekommt man 0,2l – in Queensland aber ein 0,325l fassendes Glas. Ein „schooner“ wird in South Australia mit 0,485l Bier gefüllt, in Western Australia aber schon mit 0,575l.
Im Birdsville Hotel sind wir um die Nachmittagszeit die einzigen Gäste. Es ist halt mitten in der
Woche. Wir erfahren noch, dass es nicht ratsam ist, durch die Simpson Wüste zu fahren, da durch den Sandsturm die Dünen nicht befahrbar sind.
Wir beschließen, den Birdsville Track bis Maree und dann den Oonadatta Track nach Norden zu
fahren. Nach stundenlanger Fahrt südwärts taucht plötzlich ein Schild „THE“ auf. Einen Kilo- meter weiter „COLDEST“, wieder ein Kilometer weiter „BEER“ und noch einen Kilometer weiter „OF AUSTRALIA“. Wir biegen links ein, fahren durch verrostete Landmaschinen und stehen vor dem „Mungerannie Hotel“. Außer uns sind nur die Besitzer Pam und Phil in der Schankstube. Phil hat einen riesigen Bart und trägt den unvermeidlichen, zerbeulten Akkruba Hut. Er serviert uns Steak Burger und Bier. Als wir ihn nach einer schönen abgelegen 4Wheel-Drive Piste fragen, holt Phil eine Landkarte hervor und setzt eine Lesebrille auf. Jetzt sieht der verwegene
Geselle plötzlich aus wie ein Buchhalter.

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