Jetzt steht also die dritte Plage der Menschheit an – der
Herbst. In der Quattrologie der Jahreszeiten soll sie die unangenehmste
sein, duster, dunkel, regnerisch, Blätter auf dem Boden, die der
Standfestigkeit alles abverlangen, am Himmel sich fetzende Wolken, grobe
Winde, die uns den restlichen Sommer verwehen, Regen, der den Staub zu
Matsch werden lässt, kurz: Bäh. Dabei wird die Menschheit, wie
gesagt, von vier Plagen heimgesucht. Es beginnt mit dem Frühling, der
vielen testosteronabgefüllten Männlein mächtig die Sinne verwirrt und
manch einen schier verrückt werden lässt. Die Bäume schlagen aus, die
Säfte steigen – manch einem halt zu Kopf. Es heißt aber auch, es sei die
Zeit, da man endlich wieder vor die Tür gehen könne, um gesunden
Benzinduft einzuatmen. Oder sich einen Heuschnupfen einzufangen. Kurz
gesagt, nasal betont: Bäh. Hat man das alles überstanden, droht uns
schon mit Macht der Sommer. Sonnenbrand, die Badehose klemmt, volle
Schwimmbäder, Achselschweiß, Autobahnstaus, teurer Sprit, teure Deos,
Mückenstiche, Massen von Joggern am Mainufer und im Stadtwald. Mit
Sicherheit sei es Sommer, so lautet ein Sprichwort, wenn die Schotten
ihre Christbäume wegwerfen. Und noch was: Wer sich in Sommer- sprossen verliebt, sollte daran denken, dass es auch einen Winter gibt. Und
wer in einer lauen Sommernacht meint, die Grillen zirpten, der sollte
bedenken, dass es auch Reißverschlüsse sein können. Folglich: Gefahren
lauern, wo man hinschaut und hinhört. Kurz: Bäh. Die dritte Plage war unsere erste, siehe oben. Wir werden uns ihr weiter unten noch etwas näher widmen. Kommen
wir zur vierten, der sogenannten kalten Jahreszeit. Kalte Ohren, kalte
Füße, Rutschgefahr, Winterreifen, Schneeketten, dicke Mäntel, dicke
Stiefel, Nieselregen, Rotznasen, glatte Bürgersteige, Schaum, pardon,
Wolken vor dem Mund, verstopfte Straßen wg. Skiferien – die Jahreszeit
fährt kalt lächelnd mit uns Schlitten. Und eine alte Bauernregel lehrt
uns noch etwas: Wenn der Maulwurf wirft im Januar, so dauert der
Winter bis Mai sogar. Eine sogenannte Plagenpaarung also, die erste
treibt’s mit der vierten bis in die zweite hinein. Folglich: Bäh. Kommen wir zurück zur dritten aller Plagen, dem uns nun drohenden Herbst. Der
wollen wir zumindest halbwegs etwas Gutes abgewinnen – auch wenn es
schwer fällt. Immerhin gibt es dann Süssen und Rauscher (die den Darm
plagen) und schließlich den Neuen (frisch von der Lewwer und Schoppe for
ever, um Friedrich Stoltze einmal umzudeuten). Es kann natürlich einen
goldenen Oktober geben mit schönen bunten Bäumen, von denen dann nach
und nach das Laub abfällt, das dann wieder samt dem Regen die
Rutschgefahr erhöht – und schon sind wir wieder im bösen Kreislauf
dieser Plage, die ihren absoluten Höhepunkt in diesem grässlichen
November findet, diesem Bähbäh-Monat, der uns so fürchterlich aufs Gemüt
drückt. Um noch einmal eine alte Bauernregel zu bemühen: Wenn der
November regnet und frostet, dies der Saat ihr Leben kostet. Na also,
wer sagt’s denn. Nix als Plagen. Ein ganzes Jahr lang. Was will der Kerl uns sagen mit all den Plagen, werden sie jetzt fragen. Ganz
einfach: Machen Sie das Beste draus – aus einem feschen Frühling, einem
sonnigen Sommer, einem heimeligen Herbst und einem weißen Winter. Richard Becker
Richard Becker, ehemals Sportredakteur der „FAZ“, Mitarbeiter an mehreren Sportbüchern und Autor von „125 Jahre Pferderennen in Frankfurt“, hat zwei Breviere herausgegeben – Motto: „Nichts ist so böse, als dass es nicht wahr sein könnte. Oder: In jeder Wahrheit steckt das erquickende Körnchen Bosheit. Alles hat zwei Seiten. Man muß nur die richtige sehen – wollen.
Die zwei Bände sind einmal dem Galoppsport und einmal dem Fußball gewidmet. Beispiel: Freunschaftspiel „Sprachlich ein Mißverständnis.“ Foul „Ist englisch und heißt übersetzt: Ich habe nichts getan“.
Wo Sie die Breviere erstehen können, erfahren Sie über FIT ON TOUR, Textorstraße 90, 60596 Frankfurt/Main